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Tino Sehgal gehört zur Generation der neuen Berliner Choreografen. In (ohne Titel) führt er zwanzig verschiedene Ästhetiken des 20. Jahrhunderts vor, darunter jene von George Balanchine, Pina Bausch und Meg Stuart. Der Tänzer will keine Ausschnitte aus deren Repertoire darstellen, sondern zeigt auf vergnügliche Art anhand seines eigenen Körpers die Wirkung einzelner Bewegungstechniken und formen.

"Das Stück wird in allen Printmedien ohne Titel angekündigt. Am Anfang der Aufführung wird das Stück mündlich mit ...das XX. Jahrhundert betitelt. Im Verlauf des Abends werde ich nackt 20 Ästhetiken des 20. Jahrhunderts tanzen. D.h. ich werde nicht Auszüge von originalen Werken einer bestimmten Ästhetik oder eines bestimmten Tanzstils rekonstruieren, sondern kreiere kleine Choreograpien von 1-5 Minuten in dem jeweiligen Bewegungscode. Jedem choreographischen Fragment einer bestimmten Ästhetik habe ich über eine andere Methode näher zu kommen versucht (z.B: Forsythe lediglich über seine CD-Rom, Isadora Duncan nur über Zeichnungen und Fotos, die es über ihren Tanz gibt). Namen werden an keinster Stelle erwähnt, zum einen weil es ja keine Werke von diesen Choreographen sind und es mir nicht um historische Zuordnungen geht, sondern darum, wie Ideen in Körpern Form finden und wie sich diese Ideen verändern. Zum anderen sind mir diese verschiedenen Stile nur Mittel zum Zweck: 1. um verschiedene reaktive Bewegungen meines Geschlechtsteils zu generieren. Den Penis also als passiv und reagierend zu zeigen und in Abgrenzung zu den Penistänzen von Bel und Jasperse nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit des Performers und damit notwendigerweise als das alleinige Zentrum des Tanzes.
2. um das Medium Tanz selbst auszustellen. Fast jede Art von Form und Inhalt zu benutzen, die es im Genre Bühnentanz gibt, ist m.E. der nächste erreichbare Punkt zu dem, an dem es gar keine bestimmte Form oder Inhalt gibt. Von daher ist meine künstlerische Aussage also, allein Tanz als Medium gewählt zu haben und damit die Eigenschaften dieses Mediums und deren politische Implikationen. Mein Punkt ist, daß die Objekthaftigkeit Bildender Kunst tief verwurzelt ist in unserer Gesellschaftskonzeption und daß Tanz - als ein anderes traditionelles Medium - ein Paradigma sein könnte für ein andere Konzeption, die folgendes akzentuiert: Gegenwart anstelle von Ewigkeit, Transformation von Handeln anstelle von Transformation von Material, Gleichzeitigkeit von Produktion/Deproduktion anstelle von Wachstumsökonomie.
Tino Sehgal
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25.11.2001
21.00 Uhr
Choreographie und Tanz: Tino Sehgal
Produktion: In Situ Productions unterstützt von Senatsverwaltung für Forschung Wissenschaft und Kultur und Podewil/TanzWerkstatt
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