Vorwort

:: Workshop-Programm

In Berlin ist der Tanz im Gespräch, wenn auch zurzeit wenig Konkretes und noch weniger Konstruktives geschieht. Von der Herauslösung des Balletts aus dem Opernbetrieb bis zu neuen Fördermodellen für die immer stärker werdende zeitgenössische Szene - beides neben der Sicherung des Tanzfestes, der internationalen Gastspielreihen und des Theaters am Halleschen Ufer als wichtiger Bühne wünschenswerte Ziele - wird geplant, geredet, hin und her und wieder zurück überlegt. Beweis immerhin, dass Tanz und Performance auch hierzulande zur wichtigen, dem Sprechtheater ebenbürtigen kulturellen Größe geworden sind.

Mit unserem Programm betonen wir einerseits wie schon in den letzten Jahren die zunehmende Verwischung der Grenzen zwischen Tanz und Theater, andererseits auch die Auflösung einer anderen unproduktiv gewordenen Unterscheidung, nämlich der zwischen lokaler und internationaler Szene. Hits made in Berlin gab es auch früher schon beim Tanzfest, doch in diesem Jahr präsentieren wir gleich mehrere teilweise oder ganz in Berlin entstandene Arbeiten. Heini Nukari und Anna Jankowska proben in unserem Auftrag ein neues Stück, gemeinsam mit dem Tanzquartier Wien produzieren wir ein Solo von Benoît Lachambre für Saskia Hölbling und die Tanzcompagnie Rubato sowie Ami Garmon arbeiten an Stücken, die im Rahmen des Tanzfests Premiere haben werden; schließlich zeigt das Hebbel-Theater eine neue Arbeit von Jo Fabian/department.

Abgewandelte “Zwischenrufe” gibt es diesmal von Johannes Odenthal, der in einem Vortrag die Frage nach der Konzeptkunst und ihrer Übertragbarkeit auf den Tanz aufwerfen wird. Des weiteren wird Helmut Ploebst an einem inszenierten Abend mit prominenten Gästen sein neues Buch über die innovativsten Choreographinnen und Choreographen der Neunziger vorstellen. Zum Programm gehört auch der Film von Dimitri Chamblas über Boris Charmatz‘ ungewöhnliches Tanzprojekt in den französischen Alpen.

In Zusammenarbeit mit der Schaubühne am Lehniner Platz, mit deren künstlerischer Leitung uns eine längere Kooperation verbindet, zeigen wir die Arbeit von Sidi Larbi Cherkaoui von den Ballets C. de la B. Zum Abschluß des Festivals präsentieren wir ebenfalls in der Schaubühne das verblüffende Meisterstück “The Show Must Go On” von Jérôme Bel, das nach seiner Uraufführung am Hamburger Schauspielhaus von der Kritik teils voller Unverständnis verrissen, teils mit begeistertem Respekt gelobt wurde und in Paris an mehreren Abenden das Théâtre de la Ville füllte und in Aufruhr versetzte.

Beim Fortbildungsprogramm freuen wir uns über die Zusammenarbeit mit der Choreographischen Werkstatt der Tanzfabrik, durch die die portugiesische Choreographin Vera Mantero 4 Wochen lang in der Stadt zu Gast sein wird.

Weiteres folgt...

Ulrike Becker

André Thériault

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