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An zwei Abenden präsentiert das Podewil noch einmal drei wegweisende Arbeiten von Xavier Le Roy, die seit 1998 weltweit gezeigt wurden. Der berüchtigte Perspektivenwechsler Le Roy ist bekannt für seine Neugier und Experimentierfreude. Leitmotiv seiner Tanzforschung ist, aus der Abweichung vom Normalen eine utopische Kraft zu gewinnen.

Die drei Stücke "Self Unfinished", "Product of Circumstances" und "Xavier Le Roy" zwischen 1998-2001 entstanden, beschäftigen sich mit allen möglichen Körperbildern: "In Soloprojekten und in breitgestreuten Kollektiven, im Rollentausch mit befreundeten Choreographen und im Auftrag von Tänzerinnen entstanden seine Arbeiten. Es gibt Aufführungen und Vorlesungen, Texte, die den Körper wegschieben und Tanz in Kritik auflösen, und dann wieder Performances, in denen der Körper Transformationen durchläuft und mehr kann als alle Theorie." Katrin Bettina Müller. Ein Porträt von Xavier Le Roy.

www.insituproductions.net
Eintritt pro Stück: 8/6 Euro
Kombiticket pro Abend: 12/10 Euro
Self Unfinished 1998
von und mit Xavier Le Roy nach einer Zusammenarbeit mit Laurent Goldring
Sa 11.10. 20h
So 12.10. 21.30h
Podewil
Im Solo "Self Unfinished", das Le Roys heutigen Ruhm begründete, ist er selbst das Anschauungsobjekt. Sein eigener Körper wird zum zerstückelten Gebilde, das sich je nach Blick gestaltet. Vor unseren staunenden Augen verwandelt sich Le Roy in eine lebendige Skulptur, eine mobile Masse, mit Zentrum aber ohne Kopf, wobei man sich daran erinnert fühlt, dass Le Roy einmal als Molekularbiologe Zellveränderungen observieren musste.

"Auf der Bühne ist nichts außer einem stummen Radiorecorder, einem Tisch und einem Stuhl, die noch aufmerksamer auf das Vakuum machen. Und da, im gleißenden Neonlicht, kämpft ein Tänzer mit sich selbst: er reagiert, als ob er seine körperliche Hülle verlassen wollte." Libération, 13.9.99. Tours, au plus près du corps.
Product of Circumstances 1999
von und mit Xavier Le Roy
Sa 11.10. 21.30h
Podewil
"Product of Circumstances" kommt als autobiographische Vorlesung daher. Man fragt sich, ob der Zuschauer an einem Spiel teilnimmt oder ob das alles die Realität reflektiert. Später wird die Vorlesung zur Performance. Das Thema "Le Roys Weg vom promovierten Molekularbiologen zum Tänzer und Choreographen" offenbart im Vergleich viele Paradoxien des Wissenschafts- und Kunstbetriebs.
"Le Roy erzählt, wie Le Roy in zwei Systeme hineinwächst, an ihren Anpassungs- Erwartungen scheitert, immer widerwilliger mit deren Regeln konform geht, und sich schließlich ernüchtert wieder heraus schält. Die Definitionsmachtkämpfe interessieren ihn nicht." Die deutsche Bühne
Xavier Le Roy
Ein Stück von Jérôme Bel, Konzeption: Xavier Le Roy
So 12.10. 20h
Podewil
Mit Jérôme Bel, einem befreundeten Choreographen, entwarf Le Roy ein Verwirrspiel par excellence. Den Auftrag zum Stück erhielt Jérôme Bel, choreographiert hat es Xavier Le Roy im Stil von Bel, der wiederum als Autor fungiert. Die Inszenierung spielt virtuos mit diversen Identitäten aus Tanz- und Kunstgeschichte, Kino und Pop.
"Die Bühnenfigur mit blonder Perücke, die hinter einem Wandschirm auf und abtaucht, jedes Mal mit einem anderen Bewegungszitat, misst manchmal ihre Strecke nach Fußlängen aus und kommt deswegen immer wieder zu einem anderen Ergebnis. Es dauert, bis wie bei einer Denksportaufgabe der Groschen fällt, dass man es mit mehreren Trägern der vorgefertigten Subjekt-Entwürfe zu tun hat, die sich aber, gleich kostümiert, nicht unterscheiden lassen. Das Solo vom Autor, der sich in zwei aufspaltet, erweist sich als Duo. Aber anders als 99 Prozent aller Duos handelt es jedoch nicht von einer Beziehung." Katrin Bettina Müller, Ein Portrait von Xavier Le Roy
Fotos: Katrin Schoof
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